Trachycarpus fortunei
(Hanfpalme)
Die Trachycarpus fortunei (Hanfpalme) ist eine mittelhohe, robuste und
pflegeleichte Fächerpalme.
Sie bevorzugt einen sonnigen und windgeschützten Standort mit humosen und
lehmhaltigen Böden. Für die erste Freilandpflanzung ist sie die beste Wahl, da sie
mit unserem Klima super zurechtkommt. In manchen mediterranen Regionen konnte
ich kaum vitale Individuen beobachten, hier ist es ihr einfach zu heiß und zu
trocken. Mit den entsprechenden Winterschutz werden meine 4 Freilandexemplare
seit 2002 trotz einigen Rückschlägen mit Hingabe gepflegt. Längeren Winterurlaub
kann ich mir einfach nicht zumuten, denn bei extrem kalten Winterwetter, muss ich
für meine „Ossipalmen“ immer zugegen sein.
Die Mittelfristprognosen des Wetterdienstes werden stetig beobachtetet, bei
nasskaltem Winterwetter wird Vlies über die hochgebundenen Wedel gezogen,
welches vor Nässe und kalten Winden schützt. Kündigen sich längere Frostperioden
und Temperaturen von unter -10°C an, isoliert Luftpolsterfolie zusätzlich.
Mit Petroleumlampen als Wärmequelle werden Tiefstwerte von unter -12°C
vermieden, denn wenn es weiter runter geht, beginnen je nach Luftfeuchtigkeit, die
ersten Blattschäden. Im extrem kalten Januar 2009 waren bei -17°C einige Palmen
komplett entlaubt, aber bei guter Pflege wurden in einer Vegetationsperiode alle 10
Wedel neu ersetzt. Bei einer „Trachy“ konnte ich den Mitteltrieb raus ziehen, es
drohte Herzfäule. Dann Chinosolpulver ins Herz streuen, trocken halten und hoffen!
Wintergeschädigte Palmen erholen sich von den Strapazen relativ wieder schnell,
sofern im Sommer eine angemessene Wasser und Nährstoffversorgung gewährleistet
ist. Dann im nächsten Winter bitte nicht wieder stressen, denn dann sind Sie um
vieles frostempfindlicher. Ebenfalls nicht stressen sollte man frisch gepflanzte
Pflanzen, denn Sie brauchen in der Regel bis 3 Jahre um sich zu akklimatisieren, erst
dann zeigen sie ihre wahre Winterhärte, welche zwischen einzelner Individuen
unterschiedlich ausfallen kann. So zeigt zum Beispiel meine „Trachy“ mit dem
kürzeren Blattstielen und festerer-steifer Blattstruktur die beste Frosthärte.
In der Regel freue ich mich über einen jährlichen Stammzuwachs von ca. 25 cm und
über 10 Wedel. Voraussetzung für gutes und schnelleres Wachstum ist im Sommer
eine optimale Wasser und Nähstoffversorgung. Gedüngt wird nach gründlichen
Wässern Stickstoff und Kalium betont, zusätzlich wird vergorene Brennesseljauche
zugegeben. Bei meinen Bekannten, beschränkt sich die Pflege nur auf das
Notwendigste, hier zeigen sich viel kleinere, aber trotzdem gesunde Pflanzen.
Mein Hanfpalmen stehen auch in der kalten Jahreszeit, so lange wie es irgendwie
geht frei. Die „Füße“ werden mit Laub gemulcht, und der Winterschutz liegt
griffbereit. Ich finde es wichtig dies zu erwähnen, denn es macht kein Spaß bei
starken Schneefall oder bei strengen Frösten beim „Einpacken“ zu improvisieren.
Bei kurzen leichten Wintereinbrüchen mit Schneefällen werden die Wedel von der
weißen Pracht befreit, denn es sind bei mir schon mal einige Blattstiele unmittelbar
am Stamm abgeknickt. Vor Jahren gab es mal Eisregen, im Frühjahr zeigten sich
dann leichte Risse an den Blattsegmenten. Überhaupt präsentieren sich manche
Winterschäden erst im Monat Mai, vor allen die nicht entfalteten Blätter im
Vegetationspunkt scheinen mir in Verbindung mit Nässe frostempfindlich.
Manchmal musste ich mehr oder wenige Winterränder feststellen, erfrorenes
Gewebe verfärbt sich und es gibt einen eigenartigen Geruch frei. Im Frühjahr
werden die „Strohwedel“ abgeschnitten. Erfrierungen darf man aber nicht mit dem
„Verglasen“ verwechseln. Diesen Schutzmechanismus tritt ab mittleren Frösten auf,
und ist in Wirkung abhängig von der Luftfeuchtigkeit. Die Blattsegmente
präsentieren dunkle, längliche Flecken, werden die Fröste streng, so falten sich
diese auch noch zusammen. Steigen die Temperaturen wieder über 0°C. zeigt sich
im Normalfall wieder das normale Grün.
Bei andauernden mäßig kalten und nassen Winterwetter binde ich mit meiner
besseren Hälfte die Wedel zusammen und fixiere sie nach oben, um so mehr Blätter
umso schwerer ist das Unterfangen. Anschließend wird der selbstgefertigte dicke
Vliessack drüber gezogen. Vlies ist atmungsaktiv und hält gleichzeitig die Nässe
fern. Bei zweistelligen Frostwerten und vorhergesagten Dauerfrost ist meine
Luftpolsterschutzhaube eine optimale Ergänzungsmaßnahme. Eine Petroleumlampe
mit Schutzgehäuse dient als Wärmequelle, die dann oben einfach reingehängt wird.
Ab -15°C wird zusätzlich der Stamm mit Dämmmaterial umwickelt.
Bei einer Palmenhöhe von unter 2,50 Meter wird ein kleiner Terrassenofen mit
aufgesetztem Heizungsrohr am Stammboden installiert und gut gesichert. Wenn es
die Temperaturen erlauben, wird zwecks Lüftung die Luftpolsterfolie entfernt.
14 Tage Dauerfrost unter der Schutzbebauung haben meine Hanfpalmen schon
gemeistert, ausschlaggebend sind eigentlich immer die Minimaltemperaturen. Oft
sind es nur wenige sehr kalte Stunden, die über Erfolg oder Frustration entscheiden.
Im Spätwinter 2018 präsentierten viele Pflanzen, nach jahrelanger erfolgreicher
Kultivierung, bei nur -12°C mit außergewöhnlich viel Blattverschleiß. Die zu hohen
Temperaturen unterm Winterschutz dämpfen die Frosthärte, deswegen ist bei
höheren Sonnenstand eine gute Schattierung und Lüftung dringend notwendig. Hier
kann ein Weniger beim Winterschutz mehr Wert sein.
Ab etwa 1 Meter Stammhöhe präsentieren die „ Trachys“ dekorative Blütenstände.
Mitte Mai stehen meine 2 männlichen Exemplare in voller, kräftig-gelber
Blütenpracht. Bei den „Frauen“ sind diese kleiner und etwas grünlicher, selbst in
Gera reifen die kleinen nierenförmigen Samen im Spätherbst aus. Stolz bin ich auf
meine eigenen Nachzuchten, teilweise haben sich diese aber auch selber im Garten
ausgewildert.
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